Ein Tag aus der Sicht eines Trainers

Die Vorbereitungen:

Mein lieber Kleiner (Niklas, 3 Jahre) hat zum Glück in der Nacht brav geschlafen und uns nicht wie üblich um 5 Uhr morgens aus den Federn zitiert, sondern wir durften „ausschlafen“ und saßen recht entspannt um 7 Uhr beim Frühstück. Danach rasch alle Sachen zusammenpacken (Stoppuhr, Notizen, Marschtabelle für Christian Birngruber, Fotokamera, Kleidung zum Umziehen, Verpflegung, Bike,…) und um kurz vor 8 Uhr ging es ab zum Pleschingersee. Parkplatz war zum Glück rasch gefunden – der musste so ausgewählt werden, dass ich später rasch vom Gelände komme, um auf die Radstrecke der Mitteldistanz zu gelangen.

Der Tag beginnt – CheckIn – Pressearbeit:

Die ersten Aufgaben an diesem Tag sind: Pressefotos für mich und für triaguide.at machen. Vom Veranstalter wurde ich zum Glück mit einem Presseband ausgestattet und so ging es ab zur Wechselzone – CheckIn hatte ja schon begonnen. Man trifft alle paar Meter ein bekanntes Gesicht und plaudert kurz – leider immer mit viel zu wenig Zeit für jeden Einzelnen. In der Wechselzone dann die richtigen Motive raussuchen – Bilder, die die Anspannung zeigen aber auch die Vorbereitungen und Stimmung – nicht immer leicht. Meine Athleten auf der Sprintdistanz versorge ich auch noch mit den letzten Tipps; Werner ist das erste Mal bei einem Triathlon und entsprechend angespannt – beruhigen ist angesagt. Peter will seine Zeit deutlich verbessern aus dem letzten Jahr: gut zureden, dass er eh gut trainiert hat. Thomas startet in der Staffel beim Radfahren und will da alles zeigen – ich weiß er kann das und sag ihm das auch. Viele Bekannte sprechen auch noch mit mir, letzte Streckendetails abklären – Fotos machen nicht vergessen – Athleten motivieren – Fotos machen – Uhr im Auge behalten. Die Favoriten der Mitteldistanz kommen auch langsam in die Wechselzone – ein längeres Gespräch mit Stilgenbauer beim Einrichten des Wechselplatzes – ein netter Typ!

Es geht los – Sprintdistanz:

Fotos habe ich schon viele – das passt gut – Start des Sprintbewerbes ist auch gleich. Ich such mir also eine neue Position um noch ein paar Fotos vom Beginn der Radstrecke zu machen.

Während der folgenden 30min, in denen es am Gelände dann eher ruhig ist, hab ich dann mal Zeit ein wenig mit Trainern zu plaudern, neue Leute kennen zu lernen und „Fachgespräche“ zu führen.

Ah ja, das Führungsfahrzeug kommt zurück – wer wird wohl der Erste sein? Unglaublich, der Thomas kommt als erster zurück, der hatte doch einiges an Rückstand? Ja er ist es wirklich, Wahnsinn was der heute gefahren ist – von der Ferne winkt er mir zu – alles ok – ich gratuliere ihm von der Ferne – tolle Leistung! Danach kommen auch die Einzelstarter – ein paar Fotos machen – auf zum Zieleinlauf – 5km dauern ja nicht lange. Auch beim Zieleinlauf noch ein paar Fotos machen – puh schon kurz vor 11 Uhr, jetzt muss ich mich aber vorbereiten für meinen „Einsatz“ um 12 Uhr.

Die „Heiße Phase“ beginnt:

Schnell zum Auto, umziehen, Bike schon beim Radständer abstellen damit ich nachher schnell auf der Laufstrecke bin. Mein Magen braucht auch einmal etwas Füllung, also schnell noch etwas essen. 11:30 Uhr: auf zum Schwimmstart. Christian ist versorgt, noch ein paar kurze Anweisungen, Florian und Gerald kommen auch noch einmal vorbei – da passt auch alles. Alles im grünen Bereich. So, in 10min geht’s los – noch einmal alle Abläufe im Kopf durchgehen, wann ich wo hin muss.

Um 12 Uhr geht’s los, der Start zur Mitteldistanz: alle Athleten gehen auf die erste Schwimmrunde – ca. 15min etwas Ruhe. Beim Sprecher noch schnell ein Interview machen, dann kommen die ersten Schwimmer schon zum Ausstieg zurück. Christian ist nicht ganz vorne, Zeit ist aber ok – notiert – ab zum Auto, ich muss auf die Radstrecke!

Von hier nach da und wieder zurück:

Schnell rein ins Auto und auf die Bundesstrasse zum ersten Checkpunkt – das Warten zerrt an den Nerven, aber nette Gespräche mit den sichernden Polizisten verkürzen die Zeit. Dann kommt auch der erste Triathlet – puh, da ist ein riesengroßer Abstand nach hinten. Die erste Gruppe – Christian ist nicht dabei….. ok, da ist er 2min30sec zurück – etwas viel denk ich mir, aber ich kann es eh nicht ändern. Ich warte noch bis ich alle Favoriten auf meiner Liste notiert habe – Stilgenbauer 40sec hinter Christian – das passt. Ab ins Auto und nach St. Georgen gefahren – die Autofahrt kommt einem wie eine Ewigkeit vor. Wieder heißt es warten – wie werden die Platzierungen sein? Lange 20min sind es hier, die es zu warten gilt, aber dann taucht das Führungsfahrzeug auf. Ein Staffelfahrer ist vorne – für mich nicht weiter wichtig. Die ersten Einzelstarter tauchen auf – Startnummer 401 – Daniel Niederreiter, das war zu erwarten; aber wer ist da bei ihm – Startnummer ……. 2?! Das kann nicht sein – doch es ist Christian, er liegt schon in Führung?! Unglaublich. Dahinter schon mit Respektabstand die anderen Mitfavoriten aber schon über 90sec zurück. Ok, alles notiert, ab ins Auto nach Pulgarn um die Abstände durchzusagen. Auf der B3 warte ich wieder auf die Athleten – die Zeit läuft doch immer langsamer wenn man wartet, oder? Endlich der Staffelfahrer – der sieht noch gut aus denke ich mir. Dahinter wieder Christian und Daniel – ich rufe ihnen die Zeiten zu und der Abstand ist größer geworden nach hinten, wie sich herausstellt. Sehr gut! Schnell Christians Freundin anrufen und ihr den Zwischenstand sagen – sie betreut im Bereich des Pleschingersees. Ich mache mich wieder auf den Weg nach St. Georgen – endlich etwas Zeit, sich schnell noch was zu essen zu besorgen. Der Anruf von Lisa: wie sieht es aus? Christian mit Daniel immer noch vorne – Abstand wird weiter größer – SUPER!

Wieder warten…….

Der Staffelfahrer kommt wieder vorbei, Christian immer noch mit Daniel in Führung, Vorsprung wieder durchsagen. Hinter den Beiden, etwa 90sec Abstand, fährt plötzlich ein Triathlet, den ich nicht kenne?! Wer ist das nur? Jemanden anrufen der mir da nachsehen kann – sch… ich erwische keinen. In der Zwischenzeit kommen die weiteren Athleten bei mir vorbei – ok, die verlieren weiter an Boden – aber wer ist dieser Mister „Unbekannt“. Ab Richtung Pleschingersee, ich muss vor den Führenden dort sein, um mich aufs Rad zu schwingen. Endlich erwische ich jemanden, der mir sagen kann wer dieser 221er ist. Ok, kein Unbekannter sondern der „Buxi“ – den habe ich nicht in meiner Liste – böser Fehler – aber er holte die Beiden vorne auch nicht mehr ein – Puhhh.

Warten, radeln, warten, radeln,….:

Schnell einen Parkplatz gesucht – natürlich keiner zu finden, wenn man schnell einen braucht. Rüberlaufen zum Rad und ab zur Wechselzone. Zum Glück noch rechtzeitig! Der Staffelfahrer kommt zurück, dann müssen auch bald Daniel und Christian kommen. Wie geht es zur Zeit wohl meinen anderen Athleten – leider hatte ich nicht die Zeit, um auf sie zu warten beim Radfahren – ich muss Vertrauen haben: die Vorbereitung war gut, wird schon alles passen.

Christian und Daniel biegen in die Wechselzone, es ist schon verdammt heiß, das wird ein brutales Laufen werden. Ich fahre am Rad (natürlich nicht begleitend!) etwas hinter Christian mit. Daniel 10sec dahinter aber auch Buxhofer in Sichtweite. Christian läuft gut weg, wichtig ist jetzt: anfeuern und motivieren. Kurz vor der ersten Labe muss ich Gas geben, seine Trinkflaschen stehen schon bereit, damit er sich mit den eigenen Getränken verpflegen kann. Daniel und Christian sind gleichauf – mitlaufen! Christians Freundin wartet auf der anderen Seite der Donau auf ihn – wieder warten – ich hasse diese Phasen, wo man nicht genau weiß was passiert. Die Verfolger kommen – sind aber (wahrscheinlich) schon geschlagen. Nach gefühlten 3h kommt Christian zurück – alleine?! Was war passiert? Egal, dafür ist keine Zeit – Christian trinkt aus seinen Flaschen und ab geht’s für mich mit dem Rad in den Zielbereich. Kein Daniel weit und breit – ok, der ist also weg. Dann ein leiser Gedanke: das könnte heute was werden mit dem Sieg! Beim Zurückfahren sehe ich dann auch zum ersten Mal meine anderen Athleten – auch ihnen merkt man die Hitze an. „Komm Flo – geht schon Gerald“, dafür muss Zeit sein! Christian läuft gut, aber dahinter holt ein Athlet relativ rasch auf – wer ist das? Andreas begleitet mich am Rad und stoppt den Vorsprung von Christian auf seinen Verfolger – 50sec aber rasch kleiner werdend. Christian merkt man die Hitze auch an – es wird schwerer aber es ist „nur“ noch eine Runde – 10km – Vorsprung noch 36sec bei Zieldurchlauf. Und wieder rauf Richtung Autobahnbrücke. Weitere bekannte Athleten tauchen auf – kurz anfeuern und weiter geht’s. Gleicher Ablauf wie in der ersten Runde aber Manuel holt weiter rasch auf – der holt Christian sicher ein. Leider spielt sich das alles auf der anderen Seite ab …. also wieder warten. Lisa anrufen, sie muss Christian nun antreiben. Weitere gefühlte 10h vergehen – endlich kommen sie zurück, Manuel und Christian sind gleichauf – Mann, ist das spannend! Immer wieder läuft einer 2 Meter nach vorne – abtasten – was hat der andere drauf? Ich weiß, Christian kann einen unglaublich schnellen letzten Kilometer laufen.

UNGLAUBLICH!!

1,5km vor dem Ziel zieht Christian an – Manuel kann nicht folgen, das war die Entscheidung – super gemacht. Große Freude macht sich in mir breit – das wird ein toller Sieg von Christian. Ich ziehe das Tempo an, um vor ihm im Ziel zu sein – renne über die Böschung rauf und zum Ziel runter. Christian überholt am Ende sogar noch den Staffelläufer und kommt als Erster Richtung Ziel – super! In 4:05:25 gewinnt er das Ding – unglaublich – toll!

Sandra und Niklas sind auch da und warten auf mich – freut mich riesig, dass meine Familie bei einem meiner schönsten Erfolge auch dabei ist!

Aber der Tag ist noch nicht zu Ende – nun gilt es, auf meine anderen Athleten zu warten. Nach und nach kommen alle ins Ziel – jeder hat seine Geschichte und seine Eindrücke. Manche muss man etwas aufbauen, weil nicht alles nach Wunsch lief, viele sind froh die Strapazen überstanden zu haben. Blasen, blutige Zehen, krampfende Beine, schmerzverzerrte Gesichter – sie werden erst in 2-3 Tagen wissen, was sie eigentlich geleistet haben! Etwa 2 Stunden lang erfährt man praktisch alles über jeden Wettkampfmeter, über jeden Wettkampfrichter und über jeden Zentimeter der Körper – dafür liebe ich es Trainer zu sein – eine super Stimmung.

Um 20Uhr bin ich dann zu Hause und todmüde, mittlerweile bin ich 12 Stunden unterwegs. Nun geht es an die Pressearbeit, Fotobearbeitung und nebenbei zum Ansehen des Championsleague Finales – mal sehen, ob ich heute noch oder erst morgen hundemüde aber sehr glücklich ins Bett falle……

Danke an alle Helfer und Unterstützer!